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27.03.2018

Gastbeitrag: Wandfarben und ihre Raumwirkung

(Bildquelle: Unsplash)

Isabelle Wolf ist Farbexpertin: Sie erstellt Farb- und Einrichtungskonzepte für Privatwohnungen, schreibt Bücher und ist Autorin für den Blog von Alpina. Dort verrät sie regelmäßig die neusten DIY- und Farbtrends. In ihrem Gastbeitrag klärt die Farbexpertin über die Wahl der richtigen Wandfarbe auf und zeigt euch, wie man mit etwas Know-how nahezu jedem Raum den perfekten Anstrich verleiht.

Die Farbwahl. Oder: Der farbige Mitbewohner – wer darf es sein?

Isabelle Wolf – Farbexpertin, Autorin und Bloggerin (Bildquelle: Isabelle Wolf )

Die Entscheidung für eine neue Wandfarbe ist weitreichend – schließlich nimmt sie die größte Fläche im Raum ein und prägt nachhaltig die Stimmung. Ihr Charakter färbt im wahrsten Sinne des Wortes nicht nur auf die Wand, sondern auf die gesamte Atmosphäre im Raum ab.

Durch knallige Farben wie Korallenrot oder Zitronengelb wirkt ein Raum lebendig, während schlichte Farben wie Blassgrün oder Mauve eine gewisse Ruhe ausstrahlen. Fragt euch vor dem Streichen: Wie möchte ich mich fühlen? Geborgen, entspannt oder lieber inspiriert? Ich vergleiche Wohnfarben gerne mit Mitbewohnern, die abends neben einem auf der Couch sitzen oder im Bett liegen. Welcher Mitbewohner soll auf euch warten, wenn ihr nach Hause kommt?  Für die Vorauswahl eurer neuen Wandfarbe gibt es ein paar Grundregeln, an denen ihr euch orientieren könnt:

Warme Farben, wie zum Beispiel Gewürztöne, kommen uns entgegen und verkleinern den Raum optisch. Hierdurch wirkt ein Raum gleich viel intimer und einladender. Kalte Farben, wie helle Blautöne, lassen Räume dagegen weitläufiger und tiefer wirken, da sie optisch die Wände nach außen schieben und die Decken anheben.

Warme Farben schaffen Intimität, während kalte Farben den Raum öffnen (Bildquelle: Alpina )

Helle Farben lassen den Raum leicht, luftig und weit erscheinen, während dunkle Farben eher schwer wirken. Das muss aber nicht unbedingt negativ sein: Dunkle Farben können auch Intimität und Behaglichkeit schaffen und einen Raum so richtig gemütlich machen.

Durch helle Farben wirkt der Raum luftiger, dunkle Farben sorgen für Gemütlichkeit (Bildquelle: Alpina)

Ungünstig geschnittene Räume optisch korrigieren

Die Beschaffenheit des Raumes spielt ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Farbauswahl. Fast jede Wohnung oder jedes Haus hat zumindest einen ungünstig geschnittenen Raum, der durch den richtigen Anstrich optisch korrigiert werden kann. Hier ein paar Tipps, um das Beste aus „schwierigen“ Zimmern herauszuholen:

Räume mit hohen Decken brauchen eine gewisse Struktur, um nicht hallenartig oder leer zu wirken. Um dies zu erreichen, solltet ihr für die Decke eine Farbe wählen, die dunkler als die Wandfarbe ist. Die dunklere Farbe senkt die Decke optisch ab und der Raum wirkt nicht mehr so groß. Bei sehr niedrigen Decken gilt das Umgekehrte: Hier eignet sich eine Deckenfarbe, die heller als die Wandfarbe ist, da hierdurch der Raum höher und weiter wirkt. Wem Weiß zu langweilig ist, der kann sich zum Beispiel auch für ein zartes Hellblau oder Vanille- und Lichtgelbtöne entscheiden. Ebenfalls geeignet, um niedrige Räume zu strecken: ein Farbkonzept, das von der Fußleiste bis zur Decke stufenweise heller wird. Einen ähnlichen Effekt erreicht ihr, wenn ihr Fußleisten, Wände und Decke in derselben Farbe streicht. Dadurch lösen sich die Raumgrenzen optisch auf und der Raum wirkt aufgrund der fehlenden Kontraste höher.

Ist die Deckenfarbe heller als die Wandfarbe, wirkt der Raum gleich viel höher und weiter (Bildquelle: Alpina)

Helle Farben eignen sich übrigens auch bestens für kleine, enge Räume. Ein helles Grau schafft Tiefe, sodass die Wände optisch zurücktreten und der Raum gleich viel luftiger wirkt. Wem ein Grauton zu kühl ist, der greift zu Vanille- und Lichtgelbtönen.

Lange, schlauchartige Flure wirken harmonischer und breiter, wenn ihr die Stirnwand des Raumes dunkler streicht als die Seitenwände. Hält man die Seitenwände dunkler, strecken sie den Raum und die Stirnwand rückt optisch nach hinten – das wäre das Rezept für kurze Flure und gestaucht wirkende Dielen. Besonders langgezogene Wände wirken harmonischer, wenn man vorspringende Kamine oder zurücktretende Nischen in einer Akzentfarbe streicht und sie dadurch unterteilt.

Gewusst wie: Clever gewählte Farbkombinationen können Räume aufpeppen (Bildquelle: Alpina)

Farben gekonnt kombinieren

Bei der Wahl einer neuen Wandfarbe solltet ihr immer im Hinterkopf behalten, dass auch die Möbelfarben und der Boden einen Einfluss auf die Raumwirkung haben. Ein Zimmer wird erst dann wohnlich, wenn alle Farben miteinander harmonieren. Doch was heißt das konkret für die Wahl der richtigen Wandfarbe? Es gibt drei Grundregeln, an denen ihr euch bei der Kombination von Farben orientieren könnt:

1. Ton-in-Ton-Gestaltung: Ihr entscheidet euch für eine Hauptfarbe und verwendet für den Raum verschiedene Nuancen dieser Farbe. Das schafft eine harmonische, ruhige Raumstimmung. Wichtig, damit der Raum nicht eintönig wirkt: Spielt mit Materialien, Strukturen und Oberflächen. Zum Beispiel kann kühler Schiefer neben warmer Wolle oder Leder neben Seide richtig toll aussehen…

2. Kombination unterschiedlicher Farben einer gleichen Helligkeitsstufe: Harmonische Kontraste könnt ihr erzielen, wenn ihr Farben miteinander kombiniert, die eine gleiche Helligkeitsstufe besitzen. Verschiedene grau überhauchte Pastelltöne lassen sich zum Beispiel wunderbar miteinander kombinieren.

3. Gestaltung in Komplementärkontrasten: Die Kombination von Farbtönen, die sich auf dem Farbkreis gegenüberliegen, schafft ein dynamisches Raumgefühl, ist allerdings ein No-Go, wenn ihr eine entspannende Atmosphäre anstrebt. Warum? Die Komplementärfarben haben den stärksten Farbkontrast und scheinen in ihrer Wirkung gegeneinander zu kämpfen, was das abendliche Entspannen auf dem Sofa nicht leicht macht. Wohnlicher als reine Komplementärkontraste, wie Azurblau neben Orange, wirken  die gebrochenen Varianten, wie ein helles Blau zu Akzenten in Orange.

Zum Weiterlesen:

Isabelle Wolf – Was Farben sagen (Bildquelle: Mosaik bei Goldmann)

Wer noch mehr über Farben und ihre Wirkung erfahren möchte, dem empfehlen wir das Buch „Was Farben sagen“ von unserer Gastautorin. Isabelle Wolf gibt auf 288 Seiten einen umfassenden Überblick über das Thema Farbwirkung und verrät, wie man Farbe in Einrichtung und Mode effektiv einsetzt.
Isabelle Wolf: Was Farben sagen. Die Sprache der Farben verstehen und gekonnt einsetzen in Einrichtung und Mode. Mosaik bei Goldmann, 7,99 Euro.

Lieber online unterwegs? Auf dem Unternehmensblog von Alpina versorgt die die Farbexperten-Redaktion euch regelmäßig mit Infos rund um das Thema Farbwirkung und gibt inspirierende Tipps zur Gestaltung in den eigenen vier Wänden.

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