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18.04.2016

Recycling & Upcycling – eine Selbermacherin, ihr Material und viele Projekte

Der Mitgliedsname „Resteverwerter“ verrät es schon – Stefanie Kruse recycelt und upcycelt gerne, frei nach dem Motto „da liegt was rum, da mach ich was draus“. Die Fundstücke werden dann irgendwie „verwurstet“, beschreibt sie ihre Arbeit humorvoll. Das Ergebnis sind originelle Projekte, die uns gerade wegen ihrer Ausgefallenheit und Individualität ins Auge gefallen sind. Höchste Zeit also, mehr über den kreativen Kopf dahinter zu erfahren!

Wie dein Mitgliedsname schon andeutet, recycelst bzw. upcycelst du gerne. Wo findest du dein Material am häufigsten?

Schlüsselbretter aus alten Büchern/Spielen

Eigentlich überall! Ich laufe mit offenen Augen durch die Straßen und werde so schnell fündig. An Material nutze ich alles, was da ist. Hier setze ich mir keine Grenzen. Das fängt bei Bonbonpapier an und reicht bis zu Kronkorken. Und ich bin einfach niemand, der gerne etwas wegwirft. Leichter ist es, zu beantworten, mit welchem Material ich nicht gerne arbeite: mit Filz oder Speckstein – das geht gar nicht. Holz ja, aber kein Stein. Was ich finde, wird ordentlich weggeräumt, bis irgendwann die zündende Idee kommt. Manchmal bekomme ich auch Post von Freunden, die mir Material schicken. Ich habe ein prima Netzwerk aufgebaut und sammle auch gerne für andere. Ein bisschen wurde mir der Hang zum Selbermachen wohl in die Wiege gelegt – meine Tante und meine Oma waren beide auch sehr kreativ. Meine Eltern eher nicht so, die haben zwei linke Hände und nur Daumen (lacht). Das Talent hat also eine Generation übersprungen.

Wenn das Material da ist: Woher nimmst du deine Ideen?

Schubladenschrank mit alten Weinkisten

Ganz wichtig ist es mir, dass ich nichts nachmache. Klar lasse ich mich inspirieren, doch dann möchte ich das Projekt mit anderen Materialien umsetzen – gerne auch mit Material, das einem im ersten Moment vollkommen ungeeignet erscheint. Im Sinne von: Warum Papier, wenn auch Dosenblech geht? Grundsätzlich liebe ich das Magazin „Living and More“. Außerdem stöbere ich gerne bei Pinterest und nutze mein eigenes Facebook-Netzwerk.


Mit welchem Werkzeug arbeitest du am liebsten?

Spiegel aus Getränkedosen

Das meistgebrauchte Werkzeug ist ganz eindeutig mein kleines grünes Multitool – das Modellbauer- und Gravierset mit Bohr- und Fräsgerät. Das benutze ich zum Bohren, Schleifen, Sägen und vielem mehr. Das ist ein praktisches Allzweckwerkzeug. Darüber hinaus gebrauche ich meine kleine Stichsäge und Zangen. Für Maschinen fehlt mir leider eine Werkstatt – wenn ich die doch hätte! (seufzt)


Nicht immer läuft alles nach Plan. Ist bei dir schon mal was schief gegangen?

Lampenschirm aus alten Plastiktüten (Bildquelle: Stefanie Kruse)

Oh ja, schon ganz viel! (lacht) Das ist aber kein Beinbruch. Ich verfahre da ganz nach dem Prinzip „Trial and Error“ und bin demnach schon darauf eingestellt, dass mal etwas schief geht. Schließlich ist alles was ich mache neu, da bleibt mir nichts anderes übrig, als auszuprobieren. Mir fällt direkt ein Projekt ein, bei dem es besonders kompliziert wurde: Ich wollte selbstdesignte Magnete aus Scrabblesteinen lackieren und musste gefühlte hundert Jahre herumprobieren, bis ich die richtige Technik und den richtigen Lack gefunden hatte. Zwischendurch hätte ich die Steine am liebsten aus dem Fenster geschmissen. (lacht) Aber das gehört eben zu meiner Arbeit dazu.


Und umgekehrt: Worauf bist du besonders stolz?

Immer auf das, was ich gerade gemacht habe. Dabei ist meine Bandbreite sehr groß und reicht von Handarbeit bis hin zu Heimwerken. Ein Projekt ist mir allerdings besonders ans Herz gewachsen – und ist eine schöne Mischung aus beiden Welten. Ich fand einen alten Garderobenständer auf dem Sperrmüll, habe ihn abgeschmirgelt, gelb lackiert und zu guter Letzt rundum umstrickt. Der steht nach wie vor bei mir im Flur und sieht aus wie ein bunter Kaktus.

Wo arbeitest du am liebsten?

Da ich keine eigene Werkstatt habe, am liebsten im Wohnzimmer. Daher ist es dort auch immer etwas durcheinander. Glücklicherweise habe ich für das Material aber ein kleines Zimmer unterm Dach – dort verstaue ich alles in Kisten, sortiert nach Farbe. Ich achte auch darauf, Material direkt ordentlich für die Weiterverarbeitung vorzubereiten. Dosen werden beispielsweise sofort geschnitten und geglättet, damit sie möglichst platzsparend gelagert werden können. Diese Ordnung muss sein, sonst würde ich im Chaos versinken. (lacht)

Du hast bereits bei einigen Wettbewerben mitgemacht, zuletzt bei „Mach mal was im WoZi“. Schaust du dir die anderen Projekte an?

Ja, und da sind schon einige dabei, die mir sehr gut gefallen! Ich finde es toll, dass es Communities wie „Mach mal“ gibt. Das erleichtert den Austausch unter den Selbermachern ungemein und man findet Inspiration für neue Projekte.


Welche Technik würdest du gerne noch lernen bzw. perfektionieren?

Wenn ich eine Werkstatt hätte, würde ich mich an Collagen aus Holz versuchen, Obstkisten und Holzabschnitte verarbeiten, und vieles mehr. Da ich aber keine Werkstatt habe, lebe ich nach dem Motto: „Begrenzung ist eine Herausforderung, die einen dazu bringt, neue Wege zu gehen“.

Hast du ein Traumprojekt?Was möchtest du unbedingt noch umsetzen?

Ein Traumprojekt – ja! Ich habe den Traum von einem eigenen Laden, mit eigener Werkstatt im Hinterraum sowie einem Showroom. Mehr nicht. (lacht) Dort könnten Workshops stattfinden und der Laden wäre ein Treffpunkt für Selbermacher, mit einem Café, wer weiß, vielleicht auch im Stil eines Repair Cafés. Ein anderer Traum von mir wäre es, ein Hotel komplett mit selbstgemachten Möbeln und Gegenständen einzurichten. Und jeder Raum sieht anders aus. Träumen darf man!

Mehr Informationen
Stefanie Kruse bei Facebook sowie bei den Verkaufsportalen DaWanda und Etsy.

Projekte von Resteverwerter bei Mach mal

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„Mach mal“ – Die Community zum Heim­werken in Haus und Garten wird ge­trag­en vom Hersteller­verband Haus & Garten e.V. sowie dessen Mit­glieds­unter­nehmen: