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17.08.2016

„Ich vergesse die Zeit beim Heimwerken“

Harry Peschke, alias Holzkopf, ist Heimwerker durch und durch. Sein Berufsleben hat er auf dem Bau verbracht und schon als Kind griff er gerne zur Säge. Zum Hobby wurde es aber erst viele Jahre später. Heute verbringt er seine Freizeit am liebsten in der Werkstatt.

Steckbrief:

 Vor- und Nachname: Harry Peschke
Alter: 62
Familienstand: verheiratet, ein Kind
Wohnort: Reinheim, Hessen, in einem selbst gebauten Haus mit Werkstatt im Keller
Beruf: Rentner (früher Bauarbeiter)
Weitere Hobbies: Fotografieren (die eigenen Projekte)

Du bist eins unserer aktivsten Mitglieder. Was motiviert und reizt dich am Heimwerken?

 Zum einen möchte ich meine Projekte möglichst vielen Menschen zeigen. Das ist mir sehr wichtig, damit sie nachgebaut werden können und nicht teuer gekauft werden müssen. Mein Ziel war es daher eine Plattform zu finden, auf der ich Bilder von meinen Projekten einstellen konnte. So stieß ich auf Mach mal. Zum anderen bin ich überaus motiviert, da ich seit 16 Jahren zu Hause bin – mein Kreuz ist kaputt, da kann ich auf dem Bau nicht mehr arbeiten. Anfangs habe ich für meinen Bruder und mich noch zwei Häuser gebaut, danach hatte ich jedoch erstmal nichts mehr zu tun – bis ich Stück für Stück im Keller mit dem Heimwerken anfing. Nun kann ich nicht mehr aufhören, sonst fällt mir die Decke auf den Kopf (lacht).

Du heimwerkst also seit einigen Jahren. Von wem hast du gelernt?

Im Grunde habe ich schon immer gerne gesägt – als Kind zum Beispiel Cowboys oder Indianer mit der Handsäge. Die wurden mit Bildern beklebt und ich habe mit ihnen gespielt. Meine richtige Heimwerker-Karriere begann allerdings erst mit einem Besuch bei einer Freundin von meiner Frau. Das war 2001 und ich kehrte gerade von der Reha zurück. Ihr Mann zeigte mir seine Bandsäge und fragte mich, ob ich auch mal sägen wollte. Klar wollte ich! Nach dem Besuch kaufte ich mir eine eigene Bandsäge und fertigte meine erste Arbeit, eine Sonne, an. Mit der Bandsäge wurde ich allerdings nicht sehr glücklich, daher stieg ich um auf die Dekupiersäge.

Woher kommen deine Ideen?

Die finde ich größtenteils im Netz. Eine Webseite, die ich gerne besuche, nennt sich "Lobzik". Das ist eine russische Heimwerker-Seite mit vielen Anregungen – es werden sogar Bücher zum Download zur Verfügung gestellt. In der Regel genügen mir aber die Bilder, Anleitungen brauche ich nicht, ich verlasse mich auf meine Erfahrung als Bauarbeiter.

Du arbeitest also am liebsten mit Holz und Säge. Was muss man bei diesem Werkzeug und Material beachten?

Bei der Dekupiersäge muss man darauf achten, dass das Sägeblatt gut gespannt ist. Von welchem Hersteller die Säge ist, muss jeder für sich selbst herausfinden. Beim Holz gibt es meiner Meinung nach keine Einschränkungen oder Besonderheiten, die zu beachten sind. Man kann jedes Holz verwenden, nur massiv sollte es sein, da kann man nichts falsch machen.

Von welchen Werkzeugen würdest du Neulingen eher abraten?

Von Billigwerkzeug! Damit dauern die Arbeiten meist sehr viel länger und das Ergebnis ist nicht das gleiche. Man muss schon Geld hinblättern, um gutes Werkzeug zu haben.


Wenn man nun das richtige Werkzeug hat – hast du einen Tipp, wie man am besten startet?

Am besten beginnt man mit leichten Übungen. Kurven sägen, grobe Schnitte oder Dreiecke, um herauszufinden, wie die Säge funktioniert. Dann kann man im Prinzip alles machen und nur noch eines ist gefragt: Geduld, Geduld, Geduld (lacht). Ich sage mir immer, dass das Sägeblatt das Holz von ganz alleine sägt. Man darf nicht drücken, sonst wird die Arbeit schräg und man kann sie wegwerfen. Natürlich arbeitet man so auch schon mal insgesamt vier Stunden an einem Projekt – Pausen nicht eingerechnet – , doch mir wird dabei nicht langweilig. Im Gegenteil, ich vergesse die Zeit beim Heimwerken. Wann immer ich frei habe, gehe ich sägen – ich kann dabei super entspannen.

Übrigens, damit der Feinschliff etwas leichter von der Hand geht, habe ich noch einen Tipp: Einfach die Dekupiersägeblätter mit doppeltem Klebeband umwickeln und Schleifpapier ankleben. So lassen sich wunderbar feine Arbeiten schleifen. Und wer Schwierigkeiten damit hat, die gezeichnete Vorlage auf das Holz zu übertragen, kann sie mit Kleister auf das Holz kleben. Das hält hervorragend, lässt sich aber auch ganz leicht wieder abziehen, sobald das Papier befeuchtet wird.

Welche Technik würdest du gerne noch lernen?

Drechseln! Ich habe mal einen Drechselkurs besucht und das hat mir sehr gefallen. Doch eine Drechsel kostet um die 1000 Euro, das Werkzeug ebenfalls – das ist einfach zu teuer. Dabei bietet eine Drechsel so viele Möglichkeiten! Schöne Schalen, Gläser, Blumenvasen – ein Mann hat im Kurs sogar einen Hut gedrechselt. Das sieht schon toll aus.

Auf welches deiner Projekte bist du besonders stolz?

Auf ein Spielhaus für Leonie, meine Enkeltochter. Mein Schwiegersohn wollte erst eines dieser Kunststoffhäuser kaufen, da sagte ich: Ich bau dir eins. Ich zeichnete den Plan, kaufte das Material und legte los. Acht Wochen habe ich daran gebaut, ganz alleine, in der Halle vom Schwiegersohn.

Was machst du, wenn du nicht gerade an der Werkbank stehst?

Nun, drei Mal am Tag bin ich mit dem Hund unterwegs. Zwei Mal die Woche kommen meine Enkelkinder zu uns. Der Einkauf muss erledigt werden. Außerdem besuche ich meine Mutter jeden Tag. Achso, und bis vor Kurzem musste ich natürlich jeden Tag sechs bis acht Stunden Fußball gucken (lacht). Das lasse ich mir nicht nehmen!

Hast du ein Traumprojekt? Was möchtest du unbedingt noch umsetzen?

Ja, ein großer Dinosaurier. Das möchte ich sehr gerne bald in Angriff nehmen. Drei Meter mal 2,50 Meter groß soll er werden. Die Vorlage liegt schon bereit und umfasst etwa 300 bis 400 Seiten. Gebaut wird er nach einem Stecksystem mit 4,5 cm dicken Holzbohlen. Wenn er fertig ist, darf er im Garten vom Schwiegersohn stehen und die Kinder dürfen auf ihm klettern.

Beende den Satz: Heimwerken ist…

…beruhigend und erfüllend.

Mehr Informationen:

Die aktuellsten fünf Projekte von Holzkopf

Weitere Macher im Interview:

Werkzeug, Macher im Interview

„Mach mal“ – Die Community zum Heim­werken in Haus und Garten wird ge­trag­en vom Hersteller­verband Haus & Garten e.V. sowie dessen Mit­glieds­unter­nehmen: